Mittwoch, 12. Dezember 2007

Odenwälder Zaubersprüche

Zum Schutz gegen Hexen und Teufel

[Name] hier liegst du
In Gottes Macht,
In Gottes Kraft,
In Christi Blut,
Daß dir der böse Feind
An Leib und Seel kein Schaden tut.


Gegen Würmer

Petrus und Jesus fuhren aus
Gegen Acker und ackere drei Würm und drei Früchte heraus.
Der erste ist weiß,
Der andere ist schwarz,
Der dritte ist rot,
Da sind alles Würmer tot,
+ + + Amen


Um den zukünftigen Bräutigam zu sehen


In der Andreasnacht (30.11.) sagt das neugierige Mädchen folgenden Spruch auf, um ihren Zukünftigen im Traum zu sehen:

Andreas, ich bete,
Bettstolle ich trete,
Laß mir erscheinen
heut Nacht in meinen Träumen
den Allerliebsten, den ich meine.
Soll ich mit ihm leiden Not,
soll er mir bringen Wasser und Brot,
soll er mir bringen Weck und Wein.
Soll ich mit ihm glücklich sein!
Sei er über Meer oder Land
soll er mir reichen die Hand.


Wie man Diebe bannt und zwingt

Man nimmt etwas, dass der Dieb verloren hat oder drei Spähne von der Tür, aus der er geflohen ist und bindet sie an ein Rad. Das Rad wird nun gedreht, und je schneller man dreht, desto schneller muss der Dieb zurücklaufen. Dazu spricht man:

Dieb, Dieb, Dieb, kehr wieder um,
Gott der Vater bindet dich,
Gott der Sohn zwingt dich,
Gott der heilige Geist wendt dich zurück!


Wie man Diebe bannt und zwingt - Version 2

Etwas härter ist dieser Zauber: Man legt Brot, Salz und Schmalz in einem Deckel auf heiße Kohlen und beschwört dabei Leber, Lunge und Herz des Diebes mit folgendem Spruch. Dies macht man drei Tage lang je neun Mal - aber es hilft nicht mehr, wenn der Dieb schon über fließende Gewässer entkommen ist.

Ich lege dir [Name] Brot, Salz, und Schmalz auf die Glut,
von wegen deiner Sünd Übermut.
Ich lege dir auf Lung, Leber und Herz,
daß dich ankomme großer Schmerz,
daß dich ankomme solche Not,
als wäre es dir der bittere Tod.
Bis du meine Sach wiederbringst,
das tu ich dir [Name] zur Buß!


Zum Besenreiten durch die Lüfte

Nicht falsch aufsagen, sonst geht es einem wie dem Knecht/Bursche/Ehemann, der es falsch machte und arg lädiert/nach vielen Jahren/nie mehr nach Hause kam...)

Faohr owe naus,
Faohr nirgends wid!
Haach hiwwe ned wid,
Haach driwwe net wid!


Um einen Reiter zu bannen (bewegungslos zu machen)

Ich beschwöre euch, Reider, bei der Allmacht Gottes des Vaters,
ich beschwöre euch, Reider, bei dem Blute Jesu Christi,
Ich beschwöre euch, Reider, durch die Karft des Heiligen Geistes!
Ich seid gefangen und gebunden durch die Knodener Kunst*, gleichwie die Juden unseren lieben Herrn Jesum Christum gefangen und gebunden in das Richthaus geführt haben, daß ihr Euch nicht könnt regen und bewegen, bis ich Euch, Reider, im Namen Gottes, der hochgelobten Dreifaltigkeit, wiederum reiten heiße!

(*Knoden ist ein berühmtes "Zaubererdorf" im Odenwald, aus dem der berühmte "Bitschenickel" kommt, einer der berühmtesten Odenwälder Zauberer, siehe auch hier)



Um einen starken Gegner zu bezwingen

N.N., ich thue dich anhauchen,
Drei Blutstropfen thue ich dir entsaugen:
Den ersten aus deinem Herzen,
Den andern aus deiner Leber,
Den Dritten aus deiner Lebenskraft,
damit nehm ich dir deine Stärke und Mannschaft.


Um anderen die Butter beim Buttern zu stehlen und zu sich selbst zu bringen

Aus jedem Haus en Läffel voll,
Aus Scholdese* Haus en Kässel voll!
(*= Schultheiß, in ähnlichen Sprüchen auch mal der Dorfpfarrer)


Um die Hexe zu fluchen, die einen beim Buttern behindert

Bodder, Bodder, rehre dich,
Ahlt Häx, ich krie dich!


(Scherzhafte) Sprüche, die die Mägde selbst beim Buttern sprechen

Stambe, stambe, budder dich!
Es gibt koa greßer Häx als ich.

Butterche, Butterche, klimber dich,
es gibt kei greßer Hex als dich.

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Alle Sprüche stammen aus folgenden Werken:
(1) Joseph Schopp, "Verzauberte Welt. Die magischen Sagenkreise in Südhessen und Nordbaden", Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft, Gießen 1967
(2)Erika Pöschl, "Odenwälder Sagenschatz", Bd. 1 und 2, Aki Pöschl Verlag, Ober-Ramstadt 1989/1998