Freitag, 30. März 2007

Schlangensagen

Aus Heppenheim bzw. den Ortsteilen Sonderbach und Kirschhausen

Interessanterweise gibt es vier Sagen oder Geschichten aus Heppenheim, die sich mit Schlangen beschäftigen.

Eine berichtet von einem silbrigen Schlänglein, das man im Gewann Görzklinge sehen kann. Manchmal ist dort, so die Sage, auch ein silbriges Elflein zu sehen. Dabei handelt es sich um ein verzaubertes Burgfräulein. Sie war die Tochter eines Burggrafen auf der Starkenburg in Heppenheim, die sich in einen Jüngling vom Guldenklinger Hof verliebte. Der Vater duldete diese Beziehung allerdings nicht, und so mussten sie sich heimlich im Görzklinge treffen. Als der Vater dahinter kam und der Tochter das Versprechen abnahm, die Treffen einzustellen, vertraute sich das verzweifelte Mädchen seiner zauberkundigen Tante an. Diese hatte Mitleid mit den Verliebten und gab ihr einen Stein. Wenn die beiden sich nun trafen und der Vater nahte, musste der Geliebte nur den Stein fest drücken; das Burgfräulein verwandelte sich dann in eine Schlange und konnte sich entweder unter dem Stein verstecken, oder aber zum Bächlein schlängeln und sich dort in eine Elfe verwandeln. Tatsächlich ging zunächst alles gut; der Vater wunderte sich natürlich, warum er zwar den Burschen, aber nicht mehr seine Tochter im Wald ausfindig machen konnte, kam ihnen aber nicht auf die Schliche. Doch eines Tage war er besonders beharrlich; um ihn abzulenken, ging der Bursche, den Stein fast gedrückt, hinauf zum Schlangenkopf. Doch bei dem Aufstieg stützte er und ließ den Stein fallen – mitten hinein in Tausende Steine, die alle genauso aussahen. Verzweifelt durchsuchte er sie, konnte aber den Zauberstein nicht mehr finden. Entsetzt floh er und traute sich danach nicht mehr, weiterzusuchen. Das Burgfräulein aber wartet bis heute darauf, dass ihr Geliebter zurückkehrt, und schlängelt sich vom Stein in den Bach, um als Schlange und Elfe auf ihn zu warten.

Eine andere Sage erzählt, dass am Eschenklinger Bächlein in Sonderbach eine goldenen Schlange mit einem goldenen Krönlein zu sehen sei. Diese sei auch ein Burgfräulein von der Starkenburg gewesen, das, dem Junker Jörg von Schlierbach bei Lindenfels versprochen, mit einem anderen Mann herumgetändelt hat. Der Junker war enttäuscht, die Eltern beschämt, die Familie in Unehre geraten. So hat dann eine "alte Muhme" auf der Burg das Mädchen zur Strafe in eine Schlange verwandelt. So muss sie nun warten, bis der Junker Jörg zufällig vorbeikommt. Erst dann ist sie erlöst und darf heiraten, wen sie will.

Die nächste Sage berichtet von der Schlangenkönigin. Sie thront auf einem großen Stein am Weg zwischen dem Sonderbacher Gernberg und dem Eschenklingen. Sie wird als sehr große und dicke Schlange mit einer Krone auf den Kopf beschrieben. Angeblich handelt es sich um eine Dame von der Starkenburg, die wegen ihrer geheimen Kräfte, die sie für Böses verwendet hat, zur Strafe in eine Schlange verwandelt wurde.

Anmerkungen von mir, Bodecea – die Starkenburg scheint ja das reinste Slytherin gewesen zu sein!

Die letzte Sage ist eher eine kleine Geschichte. In einem Bauernhaus in Sonderbach saß ein kleines Kind von drei Jahren auf der Treppe und aß Suppe. Da hörte die Magd im Haus, wie das Kind sagte: "Net laurere Mieh, a Mocke!" (nicht lauter Brühe, auch einen Brocken!). Die Magd blickte zur Tür heraus und sah entsetzt, wie das Kind einträchtig mit einer weißen Schlange aus dem Suppennapf aß und der Schlange hin und wieder mit obigem Spruch mit seinem Löffelchen auf den Kopf haute, weil die Schlange keine Brocken aus der Suppe fraß. Es stellte sich heraus, dass das Kind schon öfter mit der Schlange aus einem Napf gegessen hatte.

(alle Sagen nacherzählt; Originaltexte: Bräuer und Metzendorf, "Sagen, Erzählungen und Spukgeschichten aus Heppenheim und Umgebung", 1978)