Donnerstag, 1. März 2007

Frankenstein und Langenberg

Die Burg Frankenstein liegt ca. 10km südlich von Darmstadt auf dem Schlossberg, einem Ausläufer des Langenberges bei Seeheim, Pfungstadt und Mühltal. Die Anfahrt, die von der B426 abzweigt, ist ausgeschildert. Man kann sie auch von Darmstadt-Eberstadt oder Nieder-Beerbach aus erwandern.

Die Ruine Frankenstein ist um 1240 als Festung erbaut worden und gehörte dem Geschlecht derer zu Frankenstein, deren Hauptlinie allerdings nach 1600 ausstarb. Die Burg wurde danach unter anderem als Invalidenanstalt, Militärstrafanstalt und Flüchtlingszuflucht genutzt. Ab 1700 zerfiel sie zusehend, wurde aber im Zeitalter der Romantik langsam restauriert und beherbergt heute ein Ausflugslokal. Außerdem finden hier berüchtigte Halloween-Parties statt.


Interessant fand ich auch die kleine Kapelle bei der Burg, die heute zum Standesamt Mühltal gehört - man kann sich also dort trauen lassen! Man beachte das Relief eines Säuglings mit Katze und Totenkopf.


Bekannt ist der Name Frankenstein natürlich durch die gleichnamige Horrorgeschichte der englischen Schriftstellerin Mary Shelley bzw. die vielen Verfilmungen dieses Themas. Es ist zu vermuten, dass Shelley die Burg bei einem Deutschlandbesuch wirklich kennen gelernt hat und sich von den hiesigen Sagen hat inspirieren lassen. Tatsächlich beschrieb Jacob Grimm die dortige Sage, dass dort Monster umgingen, die kleine Kinder fräßen; auch wird beschrieben, dort habe ein Zauberer gewohnt, der Leichenteile aus den umliegenden Friedhöfen stahl und damit herumexperimentierte. Auch heißt es, es habe dort tatsächlich einmal ein Alchemist namens Johann Konrad Dippel gelebt, der ebenfalls allerlei düstere Experimente vollzogen habe.

Neben dem typischen Frankensteinthema gibt es noch andere Sagen, die unter anderem von Labyrinthen unter dem Schloss sprechen oder auch davon, dass hier Georg von Frankenstein einen Drachen erschlagen habe oder dass schwedische Soldaten viel Gold nahe der Burg vergraben hätten.

Faszinierend für den Besucher ist der weite Blick bis in die Pfalz und den Taunus und nach Frankfurt, der sich von hier bietet. Ich selbst war unter der Woche da, nehme allerdings an, dass es hier am Wochenende ziemlich eng werden kann, wenn ich mir so den riesigen Parkplatz betrachte.


Vom Parkplatz an der Burg leicht über die markierten Wanderwege zu erreichen sind zudem viele interessante Steinformationen auf dem Langenberg. Nehmt unbedingt einen Kompass mit, denn es gibt dort Magnetsteine! Leider hatte ich das vergessen, konnte allerdings auch mit einer Kugelschreiberfeder feststellen, dass an manchen Steinen eine leichte Anziehung stattfand.

Nachtrag: Bei einem erneuten Besuch 2009 waren wir besser gerüstet.



Interessanter noch als diese magnetischen Steine fand ich aber große, meines Wissens namenlose Felsformationen auf dem Langenberg. Neben einem mit Eichen bewachsenen grünen Hügel, der für mich eine starke Ausstrahlung hatte, faszinierte mich vor allem ein riesiger dunkler Fels mit einem großen Spalt in der Mitte. Ich habe bisher selten einen Ort gesehen, der so demonstrativ den Mutterschoß Erde symbolisierte.