Die große Irr/Irre/Err ist ein wunderschönes mystisches Waldgebiet zwischen Juhöhe, Sonderbach, Wald-Erlenbach und dem Kreiswald/Albersbach. Hier, so heißt es, verirre man sich besonders leicht (zumindest in der Zeit vor den Wanderwegmarkierungen) - und begegne nicht selten einem seltsamen Bewohner dieses Waldes.

Er wird beschrieben als großer, ja riesiger Mann mit weitem, wehenden Mantel und rötlichem langen Bart. Manche behaupten, es sei Gott Wotan/Odin, der nach dem Sieg des Christentums dort umherirre, wo früher seine Altäre standen (die Opfersteine auf der Juhöhe?); manche glauben, er sei ein Waldgeist oder einer der wilden Leute. Manchmal wird er auch mit einem Bogen bewaffnet oder als Jäger beschreiben. Man beachte auch die Ähnlichkeit zu dem bekanntesten "Braucher" (Zauberer) des vorderen Odenwaldes, dem Bitschenickel.
Plausibel finde ich auch die Idee, dass die Sagen vielleicht auf einen echten Waldbewohner zurückgehen, der dort gehaust hat; es gibt für die Zeit zwischen 1850 und 1950 viele dokumentierte Fälle von verarmten oder auch (vor Krieg, Einberufung oder Strafverfolgung) geflüchteten Menschen, die Zuflucht im Wald suchten.
Oft taucht der Alte Gott auf den verschlungenen Wegen auf, häufig nur einen Augenblick, aber danach fällt es dem Wanderer schwer, sich zurechtzufinden. Dennoch ist er nicht bösartig; zwar scheint er Menschen gerne zu foppen, zeigt sich aber auch, besonders gegenüber Frauen und Kindern, hilfreich und weist ihnen den rechten Weg, wenn sie sich verlaufen.
Dennoch ergriff viele Menschen, die früher Nachts durch die Wälder nach Hause liefen, die Furcht, wenn sie ihm begegneten.
Zu einem jungen Mädchen, das unterwegs ins Nachbardorf war, um dort als Dienstmagd in Stellung zu gehen, sagte der Alte Gott: "Mädchen, du gehst heute weit in die Irre, geh' besser zurück!". Tatsächlich wurde sie in ihrer Anstellung sehr unglücklich und musste viel leiden.
Eine andere Geschichte erzählt von einem Vater, der mit seinem Sohn im Wald Laub als Einstreu für die Ställe sammeln wollte. Da dies eine Gebühr verlangte, die er nicht zahlen konnte, machte er sich heimlich auf. Der Sohn aber erblickte bald erschrocken einen Mann mit Mantel und Schlapphut, der sie beobachtete und dabei etwas in ein Buch schreib. Er erzählte seinem Vater davon, aber der konnte nichts sehen. Der Sohn jedoch sah, wie der unheimliche Besucher das Geschriebene in seinem Buch durchstrich, ihnen zuzwinkerte und lachte - und verschwand. Offenbar hatte der alte Gott sie nur necken wollen, da er Mitleid mit den armen Leuten hatte, die aus Not Laub im Wald stahlen.
Berichtet wird auch von drei Kindern eines Schusters, die Schuhe von Sonderbach nach Albersbach bringen mussten. Da sie in Alberbach den Tag vertrödelten, traten sie erst in er Dunkelheit den Heimweg an; das älteste Mädchen führte die jüngeren Geschwister an. Der Mond schien hell, dennoch war es viel schwerer als bei Tag, den Heimweg zu finden. Bei einer dreifachen Weggabelung wurde das Mädchen unschlüssig und schickte sich an, den linken Weg einzuschlagen. Da sahen die Geschwister, wie sich plötzlich ein Mann mit Bart, Schlapphut zu dem Mädchen gesellte und leise auf sie einsprach. Das Mädchen ließ sich dabei auf den mittleren Weg abdrängen. Plötzlich war der Mann verschwunden. Die anderen Kinder rannten zu dem Mädchen und fragten, wer das gewesen sei; doch sie hatte niemanden gesehen und wusste selbst nicht, wieso sie den mittleren Weg genommen hatte. Dieser war allerdings der richtige, und die Kinder beeilten sich mit flauem Gefühl im Magen, nach Hause zu kommen. Lange erzählten sie niemandem davon...


2 Kommentare:
Hört sich eher wie der Rest einer Donarbeschreibung an - roter Bart, keine Einäugigkeit, Freund der einfachen Menschen...
Mh, das stimmt - allerdings kann ich jetzt nicht sagen, ob in Sagen die Einäugigkeit auftaucht. Aber Odin als Wanderer ist doch auch geläufig, soweit ich weiß. Und ich habe ihn auch so wahrgenommen, besonders in Bezug auf die Runen.
Auf jeden Fall wurde diese Gestalt hier - zu recht oder Unrecht - als Odin gedeutet... (ich weiß, eigentlich müsste er hier Wotan heißen, aber darüber streiten sich auch die Gelehjrten ;-)).
Bodecea
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