
Weinheim liegt an der Bergstraße, die für ihr südländisches Klima bekannt ist. Hier blühen alle Obstbäume einige Wochen früher als im Rest Deutschlands, und die Winter sind fast immer mild. Westlich von Weinheim befindet sich die Rheinebene, dann die Pfalz; Im Osten schmiegt sie sich an die ersten Hügel des Odenwaldes (oder auch Odinwaldes *g*).
Unten seht ihr übrigens eine Statue aus unserem Schlosspark - es ist Diana/Artemis, die Göttin der Jagd und in den Sagen die Göttin der Hexen.
Ich werde hier nur besonders schönen Sagen aufführen, besonders die, die mit Hexen zu tun haben...

Im Bannwald bei Weinheim befindet sich der Geiersberg, zu dem an Walpurgis die Hexen der ganzen Umgebung fliegen. Vor allem die Hexen aus dem Weinheimer Hexenturm sind dabei - sie schmücken sich mit Federn, haben Männerhosen an und schwingen sich so auf die Besen, um zum Hexentanzplatz zu reiten.
Kurz vor dem Gipfel des Geiersberger Kopfes liegt ein großer Findling, der mit einer dicken Moosschicht bezogen ist. Hierauf steht der Teufel, der mit einem Zauberstab fröhlich den Hexentanz dirigiert. Eine Stunde, bis Mitternacht, dauert der Wilde Tanz; um Punkt Mitternacht sind die Hexen dann alle wieder verschwunden.
Musikanten spielen Hexen zum Tanz auf
Einst gingen, so heißt es, zwei Weinheimer Musikanten von einem Fest in Lützelsachsen, wo sie gespielt hatten, nach Hause. Kurtz vor der Stadtgrenzen stießen sie auf einen Acker, den sich Hexen als Tanzplatz hergerichet hatten. Die Hexen entdeckten sie und hielten sie an, zum Tanze aufzuspielen. Reicher Lohn wurde ihnen versprochen. Sie taten es und erhielten so viel Geld, dass sie es kaum tragen konnte.
Doch leider entdeckten sie am nächsten Morgen, als sie zu Hause ankamen, dass sich das Geld in Glasscherben verwandelt hatte.
Einem Steinmetzen, der in der Nähe des Hexenturmes seien Werkstatt hatte, erschien eines Nachts auf dem Turm weiß gekleidete Mädchen, die mit zarten Stimmen um Hilfe riefen. Sie baten, er möge sie herunterholen; ein helles Schimmern ging von ihnen aus.
Der wackere Steinmetz nahm eine Leiter und lehnte sie an den Turm, um die Mädchen zu retten. Doch als er aufsteigen wollte, rannte ihm eine schwarze Katze zwischen den Beinen durch, und der erschrak so, dass die Leiter umfiel. "Himmelfieersakrament! Js des a Lumppvieh!" fluchte er, doch als er dann aufsah, waren die Jungfrauen verschwunden. Ängstlich ging der Steinmetz heim. Die Katze, so meinte er, sei sicher der Teufel in Menschengestalt gewesen.
Seitdem heißt es, am Hexenturm sei es des Nachts Nicht geheuer. Die weißgekleideten Jungfrauen aber, so erzählt man, waren unschuldige Mädchen, die früher in den Turm eingesperrt und dann als Hexen verbrannt wurden.
***
Der Hexenturm hat keinen ebenerdigen Eingang, sondern konnte nur über einen Steg vom Nachbargebäude aus erreicht werden. Man sagt, dies habe dem Zweck gedient, dass die Hexen und Zauberer nicht nach der Verhandlung - die angeblich im Nebengebäude stattgefunden habe - auf den Erdboden zurückkäme, denn von da könne sie ihre Kraft erneuern, sich also erden.
Andere Geschichten behaupten, aus dem gleichen Grund habe man sie auf Sänften in den Kerker des Hexenturmes gebracht.
Wie man Hexen in Weinheim und Umgebung fernhält
Hexen galten ja nicht unbedingt immer als angenehme Zeitgenossen, und so hat der Odenwälder zahlreiche Methoden erfunden, sich gegen unerwünschte Besuche oder Verhexungen zu schützen. Wie lebendig der Volksglaube in dieser gegend noch ist, zeigt sich dadurch, dass viele der Methoden noch bis in die Zeit des 1. und 2. Weltkrieges verwendet wurden, manche, wie die Decknamen der Kinder (sie wurden bis zur Taufe "Pannestielche" oder "Roseblättche" gerufen), noch bis in die 60er Jahre. Oder bis heute?
Über die vornehmste Tür eine Zwiebel gehängt, hält es Hexen und Zauberer fern. Oder man stellt einen Besen umgedreht vor die Haustür.
Wer mehr Sagen aus meiner Heimat lesen möchte:
(1)Phillip Phlaesterer, "Rund um den Hexenturm", Beltz Verlag, Weinheim 1954 (wahrscheinlich nicht mehr erhältlich)
(2)Erika Pöschl, "Odenwälder Sagenschatz", Bd. 1 und 2, Aki Pöschl Verlag, Ober-Ramstadt 1989/1998
(3)Paul Schick und Rudolf Lehr, "Kurpfälzer Sagenschatz", Heidelberger Verlagsanstalt, 1987
(4)Reinhard Hoppe, "Sagen vom Rhein zum Main", Verlag Konkordia, Bühl 1958



1 Kommentare:
Danke, wieder etwas über meine neue Heimat gelernt.
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