Montag, 29. Januar 2007

Odenwälder Sagen

Der Odenwald ist eine Gegend, die reich ist an Sagen und Mythen (siehe Literatur am Ende des Eintrages). Deshalb nehme ich hier nur ein paar auf, vor allem solche, die mit Hexen und Zauberei zu tun haben. Sagen, die mit einem besonderen Platz zusammenhängen, habe ich zu den Beschreibungen der Hexenplätze hinzugefügt.

Doch zunächst ein paar Worte über den Namen "Odenwald". Scherzhaft bezeichne ich ihn hier des öfteren als "Odinwald", und tatsächlich ist das eine der häufigsten Deutungen, woher der Name kommt. Eine andere angebliche Herkunft ist "öder Wald" - na ja, ziemlich rauh mags hier früher auch noch gewesen sein.

In einem Wanderführer fand ich dann noch folgende, sehr interessante Auslegung; der Name Odenwald, im althochdeutschen odowaldt, könne sich auch auf die germanische Vorsilbe odo für göttlich beziehen; der Odenwald wäre also der göttliche Wald. Eine andere, für Hexenheiden sicher noch interessantere Deutung ist die, dass der Odenwald genau wie der Schwarzwald früher den Namen "Abnoba Mons" getragen habe, was "Wald der Göttin (Diana) Abnoba" bedeutet. Dies war die römisch-keltische Mischform zwischen einer keltischen Göttin, die von den Römern mit der Göttin Diana gleichgesetzt wurde.

Ob nun Odins Wald, Dianas Wald oder einfach nur göttlicher Wald - mir gefällts hier.

Odenwälder Schatzspiegel

Im Odenwald gibt es zahlreiche sagenhafte Schätze... aber wie sie finden? Laut der Sage gab es sogenannte Schatzspiegel (einige davon wurden auch über die Jahrhunderte aufbewahrt). Dies waren meist kleine Zettel mit diversen magischen Symbolen beschrieben, die in einem Döschen aufbewahrt wurden. Nach allerlei komplizierten Ritualen (es einem Verstorbenen vor den Mund halten, Friedhofserde unter den Zettel legen) konnten Sonntagskinder mit diesem Schatzspiegel versteckte Schätze aufspüren.

Das "Brauchen"

Zahlreiche Berichte - bis in das 20. Jahrhundert hinein - erzählen von zauberkundigen Menschen, die sich auf das "Brauchen" verstanden. Damit sind magische Handlungen gemeint, die oft einen Schutz gegen böse Zauberei - auch der Hexen - und diverse Heilzauber beinhalteten. Eine Hochburg der "Braucher" ist das kleine Dorf Knoden; von hier kam der berühmte Zauberer "Bitschenickel". Ihm soll es sogar gelungen sein, sieben preußische Soldaten, die ihn als Deserteur einfangen sollten, so zu verzaubern, dass sie gezwungen waren, ohne ihn wegzumarschieren.

Auch französische Soldaten wurden gebannt. Es heißt sogar, dass im Triumphbogen von Paris die Inschrift steht: "Hütet euch vor Knoden!"

Ein anderer Zauberer war "Struwwel" oder "Struwel", der sich vor allem in der Gemeinde Lautertal aufhielt. Er konnte böse Geister und Dämonen bannen, indem er sie mit einem besonderen Besen "hinauskehrte". Dieser Besen war nicht, wie damals üblich, mit sechs, sondern mit sieben Ringen gebunden.

Natürlich waren die "Braucher" auch dazu da, Zauber von Hexen zu bannen. Die typischen Schadenszauber, die eine Odenwälder Hexe angeblich machte, waren Milchzauber,; dabei wurden auf magische Weise die Kühe der Nachbarn gemolken, auf dass sie keine Milch oder aber nur blutige Flüssigkeit gaben.

Die Nibelungen

Auch diese sagenhaften Gestalten trieben sich im Odenwald herum. Hier fand Siegfried den Tod durch den Speer Hagens... verschiedenen Odenwaldgemeinden streiten sich darum, auf wessen Gemarkung der Siegfriedbrunnen denn nun liegt, an dem der Held gestorben ist; den Zuschlag erhält meist der Brunnen im Luftkurort Grasellenbach.

Grenzsteinversetzer

In mehreren Sagen dieser Gegend ist von Geistern die Rede, die des Nachts in den Feldern umgehen, nicht selten mit einem schweren Stein beladen. Das sind die Grenzsteinversetzer, die in früheren Zeiten ihr Land illegalerweise vermehrt haben, indem sie die Grenzsteine versetzten. Für diesen Frevel müssen sie umgehen, entweder für immer, oder bis sie ein Mensch erlöst.

Wer mehr Sagen aus meiner Umgebung lesen möchte:

(1)Phillip Phlaesterer, "Rund um den Hexenturm", Beltz Verlag, Weinheim 1954 (wahrscheinlich nicht mehr erhältlich)

(2)Erika Pöschl, "Odenwälder Sagenschatz", Bd. 1 und 2, Aki Pöschl Verlag, Ober-Ramstadt 1989/1998

(3)Paul Schick und Rudolf Lehr, "Kurpfälzer Sagenschatz", Heidelberger Verlagsanstalt, 1987

(4)Reinhard Hoppe, "Sagen vom Rhein zum Main", Verlag Konkordia, Bühl 1958

(5) Bernhard Pollmann: "Odenwald - die schönsten Tal- und Höhenwanderungen", Bergverlag Rother, München 1997

(6) Werner Bergengruen, "Das Buch Rodenstein. Unheimliche Geschichten", insel taschenbuch 1996

(7) Elisabeth Bräuer und Wilhelm Metzendorf, "Sagen. Erzählungen und Spukgeschichten aus Heppenheim und Umgebung", Geschichtsblätter Kreis Bergstraße, Sonderband 2, 1976

(8) Sigrid Lichtenberger (Hrsg.), "Hundert hessische Hexensagen", Erich Röth Verlag, Kassel 1989

2 Kommentare:

Max Cromm hat gesagt…

Hallo,

als gebürtiger Darmstädter und aktiver Filmschaffender bin ich während einer Recherche über Odenwälder Sagen auf diesen Eintrag gestoßen. Hintergrund meiner Recherche ist eine geplante Anlehnung einer Kurzfilmhandlung an die Sagenwelt des Odenwalds.

Beim Lesen dieses Blogeintrags fiel mir besonders die Erwähnung der Grenzsteinverschieber ins Auge. Ich würde mich darüber freuen zu erfahren, in welchen der am Ende des Beitrags erwähnten Quellen mehr über diese Widergänger zu lesen ist.

Herzlichen Dank,
Max

Bodecea hat gesagt…

Hallo Herr Cromm,

ich habe jetzt leider nicht alle erwähnten Quellen hier vorrätig (einige sind in regionalen Bibliotheken zu finden), weiß aber, dass solche Sagen in mehreren Sammlungen und bezogen auf verschiedene Orte auftauchen.

Eine Variante findet sich in dem Buch von Elisabeth Bräuer und Wilhelm Metzendorf: "Sagen. Erzählungen und Spukgeschichten aus Heppenheim und Umgebung" auf
S. 201 - "Er hat den Grenzstein verrückt" (Ort: Freipetersacker bei HP/Erbach/Juhöhe).

Ich finde Ihr Projekt sehr interessant, vielleicht möchten Sie mir mehr davon erzählen? Ich bin hier recht sagenkundig und helfe gerne weiter.

Viele Grüße
Bodecea
(Bodecea[at]gmx.de)