Montag, 22. Januar 2007

Der dreischläfrige Galgen in Beerfelden

Ein eher unheimlicher denn mystischer, nichtsdestotrotz faszinierender Ort in "Odenwald-Sibirien"




Anfahrt aus Richtung Heidelberg - den Neckar entlang Richtung Eberbach (25 -30 km), kurz vor Eberbach links ab Richtung Beerfelden, dort in der Ortsmitte links ab Richtung Airlenbach und Affolterbach; der Galgen befindet sich kurz hinter dem Ortsausgang am Straßenrand.

Dies ist der einzige in Deutschland noch vollständig erhaltene "dreischläfrigen" Galgen. Er wurde im Jahre 1597 anstelle eines älteren hölzernen aus toskanischen Säulen von etwa vier Meter Höhe errichtet. Eigenartigerweise hat das Eisengestänge in den nunmehr fast vier Jahrhunderten seines Bestehens keinerlei Rost angesetzt.

Die Geschichte dieser uralten Hinrichtungsstätte reicht wahrscheinlich bis in die Anfänge der Besiedlung zurück. Im 18. Jahrhundert umstellte man die Stätte mit Stellsteinen, weil die Bauern beim Pflügen der anrainenden Felder die Grenzen nicht genau beachteten. Das zwischen dem Eingang zur Richtstätte und dem Galgen im Boden liegende, große steinerne Kreuz diente wohl dem Todeskandidaten zur Verrichtung seines letzten Gebetes. Es wurde im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und freigelegt.

Die letzte Hinrichtung fand im Jahre 1804 statt. Delinquentin soll eine Zigeunerin gewesen sein, die für ihr krankes Kind ein Huhn und zwei Laib Brot gestohlen (so viel zum Thema Gerechtigkeit...).

Um den Galgen ranken sich viele Sagen und Geschichten, die bekannteste hat 1906 der Odenwald-Dichter Adam Karrillon erzählt: Im Jahre 1797 rutschte der Wilddieb Kaspar Sachs von Kirch-Brombach seines übermäßig dicken Kropfes wegen aus der Schlinge und kam ungeschoren davon.